Tellur

Es ist ein wunderschönes Wort, vielleicht das schönste, welches man einem Element geben kann: Tellur, abgeleitet vom lateinischen „Erde“. Und so schön es klingt, so selten ist es auch: Nur neun andere Elemente sind ähnlich selten wie das silbrig-weiße, metallisch glänzende Halbmetall. Tellur ist einerseits weich, andererseits ausgesprochen spröde; es lässt sich somit perfekt zu Pulver verarbeiten. Entdeckt wurde es 1782 von dem österreichischen Chemiker und Mineralogen Franz Joseph Müller von Reichenstein, der es jedoch zunächst für „geschwefelten Wismut“ hielt. Erst 1797 konnte der Berliner Chemiker Martin Heinrich Klaproth die Entdeckung verifizieren. Klaproth war eine ausgewiesene Koryphäe, ein Mann, der auch Uran, Zirkonium und Cer entdeckte und für den von Müller von Reichenstein entdeckten Rohstoff den Namen Tellur vergab. Er schrieb: „Zur Ausfüllung dieser bisherigen Lücke in der chemischen Mineralogie lege ich hier meine mit diesen kostbaren Erzen angestellten Versuche und Erfahrungen dar, deren Hauptresultat in der Auffindung und Bestätigung“ eines neuen eigenthümlichen Metalls besteht, welchem ich den von der alten Mutter Erde entlehnten Nahmen Tellurium beylege. Bis heute haben sich vier wichtige Produktionsstätten für Tellur herausgebildet, die gemeinsam zwei Drittel des Marktes bedienen: Die USA, Kanada, Japan und Peru. Geschätzt liegt die weltweite Produktion insgesamt bei rund 180 Tonnen pro Jahr. Doch wofür benötigt man Tellur überhaupt? Traditionell wichtig ist es als Legierungselement für die Kabelindustrie und die Stahlherstellung. Es kommt in Beschichtungen für DVDs und Blueray- Disks ebenso vor wie in Halbleitern; hier bevorzugt im Bereich der Photovoltaik, also in der Umwandlung von Sonnenenergie in Strom: Solaranlagen. Und sogar in manchen Feuerwerken kann man es bestaunen, wenn die Salze des Tellurs für eine grasgrüne Farbgebung sorgen. Doch so zukunftssicher die Anwendungsmethoden auch sein mögen, so prächtig ein Feuerwerk auf seine Betrachter auch wirken mag: Alleine schon wegen seines wunderschönen Namens hat das Element 1782 die Entdeckung verdient: Tellur.

Spezifikationen

Schmelzpunkt: 449,5° C
Spezifisches Gewicht: 6,25g/cm³
Farbe: silberweiß
Siedepunkt: 989,8° C
Weltjahresproduktion ca.: 180 t
Massenanteil / Erdhülle: 0,001 ppm
Verdampfungswärme: 48 kJ/mol

 

Tellur

Verwendung

  • Legierungsbestandteil für Stahl, Gusseisen, Kupfer- und Bleilegierungen
  • Legierungsbestandteil für rostfreie Edelstähle
  • Fotodioden
  • Dünnschicht-Solarzellen
  • Optische Speicher (CD, DVD usw.)
  • neuartige Speichermaterialien wie “Phase Change Random Access Memory“
  • Glas- & Keramikfarben
  • Peltier-Elemente