Gallium

Wir schreiben das Jahr 1875. Das kleine Städtchen Cognac im Westen Frankreichs, rund 120 Kilometer nördlich von Bordeaux gelegen, gilt als Zentrum der Alkoholproduktion. Edle Weine stammen von hier, einem populären Weinbrand aus Weißweinen verlieh der Stadt bereits ihrem Namen. In einem kleinen Privatlabor unweit der Stadtmitte arbeitet der Chemiker Paul Émile Lecoq de Boisbaudran beim flackernden Schein von Petroleumlampen. Der Mann ist völlig vertieft in seine Experimente: Er hört nicht das Geklapper von Pferdedroschken, nicht die Rufe von Menschen, nicht das Verladen von Weinfässern. Seine gesamte Konzentration gilt der Suche nach einem neuen Element, dessen Existenz er nach langen Bemühungen endlich in einer Spektrallinie nachweisen kann: Gallium. De Boisbaudran reibt sich die übermüdeten Augen: Er weiß, dass sein Name ab heute in den Geschichtsbüchern seiner Heimatstadt verewigt sein wird. Das neuentdeckte Element hat interessante Eigenschaften: Es schmilzt bereits bei 29,76 Grad und zieht sich dabei zusammen – was es zusammen mit Indium und Stannum, dem lateinischen Namen für Zinn, zu einer Legierung namens Galinstan werden lässt, die nach dem Verbot von Quecksilber häufig in Thermometern verwendet wird. Doch sein Haupteinsatzgebiet ist heute ein anderes: Gallium wird mittlerweile überwiegend in der Halbleitertechnik verwendet. Silicium-Halbleiter verweigern schon bei wenigen Gigahertz die Arbeit; ihre Gegenstücke aus Galliumarsenid funktionieren dagegen auch noch bei bis zu 250 Gigahertz. Auch in fast allen Leuchtdioden, sogenannten LEDs, findet man den Rohstoff in zahlreichen Verbindungen. Gallium ist selten: Lediglich 100 Tonnen Rohgallium werden weltweit produziert, weit über die Hälfte davon stammt aus China, Deutschland und Japan. Man findet es hauptsächlich in Aluminium-, Zink- und Germaniumerzen, wobei die Konzentration maximal 0,01 Prozent beträgt. Edel, gut und wertvoll – dies zumindest hat Gallium mit einem Glas erlesenen Cognacs gemeinsam.

Spezifikationen

Schmelzpunkt: 29,8° C
Spezifisches Gewicht: 5,91g/cm³
Farbe: silberweiß
Siedepunkt: 2204° C
Weltjahresproduktion ca.: 100 t
Massenanteil / Erdhülle: 14 ppm
Verdampfungswärme: 256 kJ/mol
Menge im Warenkorb: 2kg
Reinheit: min. 99,99%

 

Gallium

Verwendung

  • Ungiftiger Quecksilberersatz
  • Leuchtdioden
  • Wafer
  • Elektr. Hochfrequenzbauteile
  • Integrierte Schaltkreise
  • Laser Solarzellen zur Stromversorgung von Satelliten
  • Legierungszusätze
  • Flüssigmetall-Wärmeleitpaste
  • niedrigschmelzende Legierungen